Greng
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1314 unter dem Namen Gruein; 1349 erschienen die Bezeichnungen Gruent und Grangiis (von lat. grangia (Scheune) abgeleitet).1349 Groyn. (Wikipedia und historisches Lexikon) Liste der Kulturgüter
Bisherige Deutungen:
Von der isolierten und wohl falsch identifizierten Form 1349 Grangiis ausgehend, stellt Jaccard (1906: 201) Greng zu einem spätlateinischen *grangias «Kornspeicher» (< lateinisch granea); es handle sich um eine andere Form von grange «Speicher». Diese Deutung wird leicht modifiziert von Roth (1965: 279) und Schwab (1971: 51) übernommen. Roth stellt Greng zum lateinischen Gattungswort grānum «Korn»; Schwab vermutet eine Herleitung von lateinisch granea «Kornspeicher» oder ebenfalls eher von lateinisch grānum «Korn». Aebischer (1976: 134) erklärt den Namen als «alemanisierte Form» von französisch grange «Speicher».
Besprechung:
Keine der bisherigen Deutungen kann den Namen Greng befriedigend erklären. Jaccards Form *grangia hat nie existiert; französisch grange geht auch nicht auf *granea, sondern auf eine spätlateinische Form *granica zurück (cf. → Grenchen SO). Roths Ansatz ist lautgeschichtlich unmöglich. Greng liegt im ursprünglich frankoprovenzalischen Sprachgebiet und wurde erst sehr spät (kaum vor dem 17./18. Jahrhundert) germanisiert; lateinisch granum ergibt jedoch im Frankoprovenzalischen auf keinen Fall *gren, sondern gran. Ausser der Form 1349 Grangiis, die kaum Greng betrifft (oder als als falsche Latinisierung zu betrachten ist), kann keiner der historischen Belege (Groyn, Gren, Gruen, Gruent, Greng) auf granica, granea oder granum zurückgeführt werden. Auch Aebischers Erklärung überzeugt nicht; dem französischen grange entsprechen im westlichen Schweizerdeutschen Formen wie Grenchen (mehrfach im freiburgischen Sensebezirk belegt), Grächen, Greech, Greich (cf. Glatthard 1977a: 288). Es ist auch kaum vorstellbar, dass eine frankoprovenzalische Dialektform [ˈɡrãdzɛ] (cf. → Granges-Paccot FR) Greng ergeben könnte.
Deutungsversuch:
Greng könnte eventuell von einem lateinischen Gentilnamen, der aufgrund der erst sehr spät einsetzenden dokumentarischen Belege nicht mehr identifiziert werden kann, und der lateinischen Ortsnamenendung -ānum hergeleitet werden (cf. zu dieser Frage auch die Argumentation zu → Grens VD). Das lateinische Suffix -ānum bildet Ortsnamen, deren Bestimmungswort auf den Namen des ersten Besitzers eines römischen Landgutes zurückgeht. Ortsnamen auf -ānum sind in Regionen mit starker römischer Siedlungstätigkeit (Italien, Tessin, Südfrankreich) sehr häufig, nördlich der Alpen aber eher selten. In der Schweiz finden sie sich vor allem in der Umgebung der römischen Kolonie Nyon, in der Nähe von Avenches, der römischen Hauptstadt Helvetiens, und um Studen/Petinesca. Diese Namen sind ein Indiz für die Niederlassung einer lateinischsprachigen Bevölkerung (römische Beamte, Armeeveteranen etc.) neben der einheimischen keltischen Bevölkerung, auf deren Güter die mit -acum(> -ach) gebildeten Ortsnamen hinweisen
1985
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